Kältetolerant Feigenesorten auswählen|Sortenleitfaden nach Winterhärte (Hardiness Zone)
Aktualisiert: 2026-09-22
Feigen gelten üblicherweise als Obstbäume für relativ warme Regionen. Allerdings unterscheidet sich die Kältetoleranz je nach Sorte erheblich, und es gibt zahlreiche Sorten, die sich mit entsprechenden Maßnahmen auch in kälteren Klimazonen anbauen lassen. Umgekehrt kann das direkte Auspflanzen von wärmebevorzugten Sorten in kalten Regionen zu erheblichen Winterschäden am oberirdischen Teil führen, was im Folgejahr zu geringeren Erträgen führt. Im Folgenden werden die Überlegungen zur „Kältetoleranz" als Orientierungshilfe bei der Sortenwahl, relativ kältetolerant geltende Sorten sowie Maßnahmen für den Anbau in kühleren Regionen zusammengefasst.

Die Winterhärtezone als Orientierungshilfe für die Kältetoleranz
In ausländischen Sortenmaterialien wird häufig die sogenannte Winterhärtezone (hardiness zone) als Richtlinie für die Überwinterungsfähigkeit einer Sorte im Freien verwendet. Ein niedrigerer Zahlenwert deutet auf höhere Kältetoleranz hin und zeigt an, dass der oberirdische Teil auch bei niedrigeren Temperaturen eher überlebt. Bei Feigen gilt als Richtlinie: Sorten im Bereich 5b–6b eignen sich für kältere Klimazonen, während Sorten im Bereich 7a–7b für wärmere Regionen geeignet sind. Dies erleichtert die Sortenauswahl. Zu beachten ist jedoch, dass die Zahlenwerte lediglich auf ausländischen Klimanormen beruhen und dass die tatsächlichen Ergebnisse je nach Außentemperatur, Schneefall und Frostschutzmaßnahmen in Japan variieren können.
Sorten mit relativ hoher Kältetoleranz
- Chicago Hardy: Eine Sorte, die für ihre Winterhärte bekannt ist. Selbst wenn die oberirdischen Pflanzenteile im Winter absterben, treiben die Pflanzen im Frühling leicht wieder aus, sofern die Wurzeln überleben.
- Hative d'Argenteuil: Eine Frühsorte, die auch in kalten Klimazonen leicht Sommerfrucht hervorbringt.
- Violette de Bordeaux: Eine Sorte mit kompaktem Wuchs, die sich auch für Kübelhaltung eignet und als relativ kältetolerant gilt.
- Ronde de Bordeaux: Eine Sorte, die sowohl dichtes Fruchtfleisch als auch Kältebeständigkeit vereinigen soll.
Dies sind Sorten, denen typischerweise eine Winterhärtezone um 6b zugeordnet wird. Sie ermöglichen damit leichteren Freilandanbau in kalten Regionen im Vergleich zu Sorten der Zonen 7a–7b. Jedoch bedeutet „hohe Kältetoleranz" nicht „ohne Winterschutz möglich". Besonders bei jungen Pflanzen ist Winterschutz erforderlich.
Anbau von Sorten für warme Regionen in kälteren Klimazonen
Sorten, die der Winterhärtezone 7a entsprechen, haben Eigenschaften für relativ gemäßigte Klimazonen. Die japanische Traditionsorte Masui Dauphine wird dieser Klassifizierung nahestehend betrachtet; da jedoch umfangreiche Anbaucerfahrungen innerhalb Japans vorliegen, ist es beruhigend, dass für die lokale Klimaverantwortung bewährte Frostschutzmaßnahmen etabliert sind. Beim Anbau ausländischer Sorten für wärmere Regionen in kälteren Gebieten empfiehlt es sich, in Behältern zu kultivieren und diese nur im Winter ins Haus oder in ein unbeheiztes Gewächshaus zu bringen – dies ermöglicht einen leichteren Schutz als Freilandpflanzung.
Anbau in kälteren Regionen
- Junge Feigen sollten in Töpfen gezogen werden und im Winter an einen geschützten Standort wie unter das Dachvorsprung oder ins Haus verlagert werden.
- Die Basis der Pflanze mit Stroh oder Vlies mulchen, um die bodennahen Wurzeln zu schützen.
- Den Hauptstamm niedrig erziehen, um Schäden durch Schnee und Frost zu vermeiden.
- Bei der Pflanzung im Freiland einen Standort an der Südseite von Gebäuden oder an windgeschützten Stellen wählen.
Ausführlichere Schritte zum Winterschutz sind unter Überwinterung und Frostschutz zusammengefasst.
Sorte nicht allein nach Kältetoleranz auswählen
Die Kältetoleranz ist lediglich ein Maßstab bei der Sortenwahl und gibt keine Auskunft über Geschmack, Ertrag oder Wuchsform. Auch wenn eine Sorte kältetolerant ist, lässt sich die Motivation zum Weiterkultivieren schwer aufrechterhalten, wenn der Geschmack nicht den persönlichen Vorstellungen entspricht. Es empfiehlt sich daher, die Kandidaten zunächst im Sortenlexikon einzugrenzen und anschließend im Forum die Erfahrungen von Personen einzuholen, die die Sorte tatsächlich in der betreffenden Region anbauen.
Die Kältetoleranz von Feigen orientiert sich grob an der hardiness zone, wird aber am praktischsten in Kombination mit lokalen Anbaugegebenheiten und Winterschutzmaßnahmen betrachtet. Auch in kälteren Regionen bietet sich eine ausreichend breite Anbaupalette, wenn Sorten mit verhältnismäßig guter Kältetoleranz und Kübelhaltung kombiniert werden. Es ist nicht notwendig, aufgrund eines kalten Klimas auf den Anbau zu verzichten.
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